Klotüren im Internet

25. November 2009

Als Physiker, egal ob angehender oder bereits fertiger, sitzt man oft an langwierigen Gleichungen, programmiert irgendwelchen komischen, aber bestimmt sinnvollen Kram oder verzweifelt an ebenso kreativen wie Ignoranten Mitmenschen, aber das alles nimmt man gerne in Kauf, um die Welt Stück für Stück zu verbessern. Die Kunst besteht eben darin, die Dinge auch mal locker zu sehen, einfach mal loszulassen, was nur für sich oder seine nächsten tun. In der Weltzentrale der bösen Masterminds, dem CERN, haben das einige begriffen und auch entsprechend ausgelebt, mit viel Spaß an der Sache

ay girl, so when you gonna let me tap that wormhole with my particle gun? #

Es ist schön zu sehen, dass diese hedonistische Einstellung auch langsam im Physikzentrum in Aachen ankommt, wo Menschen beginnen, ohne sich zu schämen zu ihren Freizeitbeschfäftigungen zu stehen, und es die Welt wissen lassen:

Mitteilung für die Kollegen

Von der Symbiose von Faulheit und Thermodynamik

6. August 2009

Oft wird Wissenschaftlern implizit oder explizit vorgeworfen, sie würden die Welt entzaubern und keine Begeisterung mehr empfinden können, weil sie alles nur kühl analysieren. Ich (bin sowieso noch kein Wissenschaftler, wenn überhaupt jemals, aber egal denn ich) bin durchaus in der Lage, zu staunen. Z.B. darüber wie schnell Wäsche auf dem Balkon trocknet. Das Schöne ist gar nicht so sehr die angewandte Thermodynamik, als viel mehr die Tatsache, dass sich das sehr gut mit meinem Prokrastinieren verträgt. Nachdem ich die Wäsche bereits 18 Stunden später als geplant in die Maschine geschmissen hab, und sie auch nur 6 Stunden darin gelassen hab, wird sie trotzdem heute noch fertig.

Schwarmhumor

6. August 2009

„Everyone knows the Higgs doesn’t exist. It’s just a way for female physicists to get male physicists to try harder when they conduct experiments.“

Manchmal passiert etwas Unerwartetes (Sex im CERN) und Menschen die einander nicht kennen und wohl nie sehen werden, inspirieren einander dazu, die Welt ein kleines bißchen lustiger zu machen. Unbedingt bei reddit die Kommentare zu diesem Bild lesen.

Sex im Cern in laut

via Physikblog

Im Praktikum nicht aufgepasst

20. Juni 2009

nachkommastellen

Entweder hat der SpOn-Reporter im Ex-Physik-Praktikum was die Anzahl der nötigen Nachkommastellen angeht nicht genau aufgepasst bzw. ist von seinem Prof nicht oft genug gerügt worden, oder aber die Waagen beim Boxen gehen tatsächlich aufs Gramm genau. Dann fehlt allerdings die Messungenauigkeit, wenn man’s denn schon so genau nehmen will.

Falls Twitter mal zu kurz ist

2. Juni 2009

Ich war gerade dabei, eine E-Mail zu schreiben, als mein Mitbewohner irgendwas Witziges gesagt hat. Anstatt zu lachen hätte ich aber beinahe einen Smiley in die E-Mail eingefügt, als ’natürliche‘ Reaktion darauf, wenn ich beim Schreiben/Chatten auf etwas lustiges stoße.

Ironie-Overkill und etwas Physik

19. Mai 2009

Ich muss mich ja gerade selbst davor zurückhalten, meinen seit dem 17. März (!) geplanten Post über meine Prokrastinationserscheinungen heute zu schreiben, also über Prokrastination zu prokrastinieren (wie ironisch), während ich eine Präsentation über Fornax A für morgen vorbereiten soll. Das ganze soll im Rahmen der Vorlesungen Astrophysics hier an der KTH, in der es besonders um die Untersuchung von Strahlungsphänomenen geht, stattfinden. Fornax A ist die vierthellste Radiogalaxie und besteht aus einer elliptischen Galaxie, die von zwei Plasmen umgeben ist, die Strahlung im Bereich von Radiowellen (also im Gigahertzbereich, bzw. im Bereich von Wellenlängen einiger Centimeter) abgeben. Diese beiden Radiolobes (ich habe gerade keine Lust, alle Fachbegriffe auf Deutsch nachzuschlagen, die Präsentation morgen als auch die Papers, die ich dafür zu Verfügung habe, sind sowieso alle auf Englisch) sind besonders gut auf diesem in Falschfarben aufgenommen Astronomic Picture of the Day vom 28. Juni 2005 Bild zu erkennen, wobei die beiden Lobes nach der Intensität ihrer Strahlung in Orange eingefärbt sind.

Fornax A ist etwa 25Mpc (Megaparsec, ein Parsec sind etwa 3.26 Lichtjahre, je nach verwendeter Hubblekonstante ist’s ein anderer Wert, aber in der Vorlesung haben wir 25 verwendet, laut Wikipedia und einem der Papers sind es 17-20) entfernt und interessant, weil es so eine hohe Intensität hat und sich daher gut untersuchen lässt. Dazu stellt sich aber die gar nicht mal so triviale Frage, was man da eigentlich untersucht, wenn man mehr will als nur ein buntes Bild, dass man seinem Kind ins Zimmer hängt, um es für was anderes als die Power Rangers zu interessieren. Für Astronomen interessant ist insbesondere, warum, also durch welche Mechanismen ein Objekt strahlt. Je nach Energie der Strahlung sowie dem Spektrum, also der Häufigkeit der Photonen mit einer bestimmten Energie, kommen dazu verschiedene Modelle in Frage.

Ein Mechanismus ist die sogenannte Synchrotron-Strahlung. Diese entsteht, wenn ein Elektron (prinzipiell auch ein Proton, aber da diese bei gleicher Ladungsbetrag um einige Größenordnungen schwerer sind, erreichen diese nicht die nötigen relativistischen Energien) in einem Magnetfeld beschleunigt wird und dabei Energie abgibt. Ein Elektron wird dabei stets senkrecht zu seiner Bewegungsrichtung beschleunigt, gibt aber Strahlung nur in Richtung seiner Bewegung ab. Wenn man nun von einem Elektron mit einer bestimmten Geschwindigkeit ausgeht, das sich in ein Magnetfeld bewegt, wird es von diesem nun auf eine Kreisbahn gelenkt (bzw auf eine Spirale). Da es bei relativistischen Energien nur Strahlung in einem schmalen Bereich in Bewegungsrichtung abgibt, sieht ein Beobachter nur kurze Strahlungspulse, deren Frequenz mit der Frequenz der Kreisbahn, auf dem sich das Elektron bewegt, zusammenhängt. Je nachdem, wie die Verteilung der Elektronen mit bestimmten Energien aussieht, erhält man nun ein bestimmtes Strahlungsspektrum. Die Energie der Strahlung hängt dabei vom der Stärke des Magnetfeldes ab.

Eine weitere sehr charakteristische Strahlung entsteht durch die sogenannte Compton-Streuung. Dabei wird ein Photon an einem Elektron gestreut, wenn es bei diesem Stoß Energie von Elektron übertragen bekommt, spricht man von Inverse-Compton-Scattering. Da nun das gesamte Universum durch den kosmischen Strahlungshintergrund (CMB) von Photonen durchdrungen ist, kann diese Form der Streuung überall auftreten, wo es Teilchen gibt. Im Fall von Fornax A geht es nun darum, ob die Röntgenstrahlung, die zusätzlich zu den Radiowellen beobachtet werden kann, durch Streuung der CMB-Photonen an den Elektronen in den Lobes entstehen kann. Dies hängt nun verschiedenen Faktoren ab (und hier muss ich zugeben, dass ich bis morgen noch ein wenig genauer nachschlagen muss, wie das exakt aussieht). Je nachdem, welche Energien die Elektronen in den Lobes haben, erzeugen sie Strahlung in einem bestimmten Spektrum (man spricht da von einer Powerlaw-Verteilung, aber mangels LateX-Plugin usw. hab ich jetzt keine Lust, das genauer auszuführen, zur Not hilft da Google oder eben ich in den Kommentaren). Die Energie dieser Strahlung hängt wiederum vom Magnetfeld ab. Ebenfalls von dem Magnetfeld hängt ab, mit welche Energien die Photonen des CMB, die ja eine bestimmte Energie(-verteilung) besitzen, gestreut werden.

Mehr dazu morgen oder am Wochenende, sobald ich da mehr Klahrheit gewonnen habe ;).

Nachtrag: Der Artikel endet hier etwas abrupt, da mir klar geworden ist, dass ich einige Dinge noch nicht exakt genug weiß, um sie präsentieren, also auch hier aufschreiben zu können, und ich wohl besser noch etwas lesen sollte bis morgen.

Sag doch einfach ja!

5. Mai 2009

Den Schweden wird schon mal nachgesagt, sie seien reserviert und bleiben eher für sich. Vielleicht is das auch gewissermaßen eine Kompensation dafür, dass von staatlicher Seite Privatsphäre quasi unbekannt ist. Jeder hier hat eine Steuernummer, über die z.B. der zukünftige Vermieter mal eben durch einen simplen Telefonanruf herausfinden kann, wieviel man denn so verdient*, zeitweise konnte man sogar im Internet nachschlagen, wer wieviel verdient, dass man Telefon- und Handynummern sowie Adressen online finden kann, geschenkt.

Entsprechend muss man sich auch nicht wirklich um eine Steuererklärung kümmern, der Staat weiß eh alles, und schickt seinen Bürgern dann einfach im ersten Halbjahr eines Jahres seinen Steuerbescheid zu. Dieser muss nun einfach nur bestätigen, dass alles aufgeführt ist (was trivial ist, der Staat weiß ja eh alles). Um es dem Bürger auch schön einfach zu machen, kann dieser nun wahlweise per SMS oder schriftlich seine Bestätigung abgeben. Und um es nun auch wirklich allen recht zu machen, warten am Tag der Deadline (die offenbar gestern war), nette Menschen auf der Straße vor dem ehemaligen Finanzgebäude (meinem Wohnheim) und sammeln die Steuerbescheide der vorbeifahrenden Leute ein! Wo in Deutschland ein misanthropischer Beamter zwischen seiner Morgenkaffeepause und seiner Nachmittagskaffeepause einfach einen Bußgeldbescheid stempeln würde, wird sich hier also liebevoll um den Bürger gekümmert, und er quasi fast wörtlich da abgeholt wo er stehtfährt.

*nein nicht durch einen Anruf beim Mieter, sondern beim Finanzamt

Der schönste Sozialismus der Welt

4. Mai 2009

Wenn man von Deutschland aus nach Schweden geht, ist es ein wenig, als würde man in eine bessere Version von Deutschland ziehen. Man hat viel Natur, schönere Menschen, alles ist (zumindest offiziell) ein bißchen gerechter, die fiesen reichen Säcke zahlen hier brav Steuern in einer Höhe, die Gregor Gysi dazu bringen würde, mit einem wirren Lachen vor Rührung weinend auf den Treppen vor dem Reichstag zu sitzen und Süßigkeiten zu verschenken. Nur der Alkohol ist teurer, aber das wird auch meist nur erwähnt, um noch ein bißchen deutsches Selbstbewusstsein zu wahren, wir müssen wenigstens nicht unser halbes Einkommen verprellen, um unsere Minderwertigkeitskomplexe zu ersäufen.

In anderen Teilen der Erde sieht man das etwas anders, da wird Sozialismus noch als Schimpfwort benutzt, und in Zeiten der Finanzkrise als düsteres Zukunftsbild heraufbeschworen (wenn man unter düster ein Land versteht, in dem selbst die Kassiererin im Supermarkt ein bis zwei Fremdsprachen fließend beherrscht). Hier nun ein Tatsachenbericht aus der Daily Show (hab leider nicht rausgefunden, wie ich das mit Bild einbetten kann):

The Daily Show With Jon Stewart M – Th 11p / 10c
The Stockholm Syndrome
thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Economic Crisis First 100 Days

Und Teil zwei:

The Daily Show With Jon Stewart M – Th 11p / 10c
The Stockholm Syndrome Pt. 2
thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Economic Crisis First 100 Days

Chinesische Mauer in Wirklichkeit altägyptische Pyramide!

21. April 2009

Wie schafft man es eigentlich, wenn es denn so stimmt wie hier ausgeführt, die chinesische Mauer mal eben 2500km zu kurz zu vermessen? Ich mein das sind immerhin fast 30% zu kurz? Hat damals irgendjemand einfach die Schritte das Rikschapiloten gezählt, der ihn an der Mauer entlang gezogen hat? Hat die Mauer überhaupt mal jemand gemessen? Der Artikel erzählt da schön was von Hightech (hui, Infrarot, ja sackerment nochamal), aber eigentlich müsste man die Länge der Mauer doch relativ einfach abschätzen können, wenn man sie allein mal mit Landmarken auf bisher erstellten Karten vergleicht und dann daraus die Länge in etwa ableitet. Oder einfach mal in Google Earth nachschaut. Oder beschreit die chinesiche Mauer heimlich eine Koch-Kurve, und wir dürfen uns jetzt darauf gefasst machen, regelmäßig einen solchen Artikel zu lesen?

Neue Grafikkarte

5. April 2009

klick mich für groß

Als ich vor kurzem wieder ein paar Fotos beim Spazierengehen durch Södermalm aufgenommen habe, unter anderem das aktuelle Headerbild, ist mir nachher aufgefallen, wie schön da doch die Lichteffekte sind, alles nett ausgeleuchtet, als würde man beim neuen Computer die Effekte auf Maximum stellen. Was ich dann einfach mal auf meine neue Kamera geschoben habe, die zwar eine Kompaktkamera, aber immer noch besser als mein Handy ist.

Als ich dann aber gestern abend durch Södermalm spazieren gegangen bin, und dabei mal meine Brille aufgesetzt habe, ist mir klar geworden: das ist vollkommen normal so, wenn man denn auch normal sehen kann. Nachdem in den letzten vier Jahren meine Augen schleichend etwas schlechter geworden sind (ich bin noch weit davon entfernt, blind zu sein, aber mit -1 Dioptrin doch schon merklich kurzsichtig), ist mir nie wirklich aufgefallen, dass Lichtquellen immer mehr zu verschmierten breiten Punkte verschwimmen, die einfach nur die Sicht stören. Wenn ich jetzt abends mit Brille, die ich erst seit zwei Monaten habe, durch die Straßen gehe, fühle ich mich, als würde ich bei Oblivion mit voll aufgedrehten Grafikdetails spazieren gehen (mit dem Unterschied, dass hier beleuchtete Mauern nicht so hell strahlen, dass man davon geblendet werden könnte).

Da tut sich also quasi eine komplett neue Welt für mich auf, wenn ich mir jetzt noch ein kleines Schwert auf mein rechtes Brillenglas male und eine Lebensenergieanzeige auf das linke, kann ich in mein persönliches Nerdonia eintauchen. Nur spiel ich jetzt Ritter oder Assasine?

Södermalm und Stockholm am 3.4.2009 (Picasa Webalbum von mir)